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Sonntag, 3. Dezember 2017

Futtermengen Teil 5


In diesem Beitrag möchte ich verschiedene Szenarien für die Fütterung von Kaninchen durchgehen. Ich werde mich dabei an dem Vorbild orientieren, das in den folgenden Darstellungen als „Wiese“ bezeichnet wird sowie an den Bedarfswerten für Hauskaninchen aus dem Kapitel „Pet Rabbit Feeding and Nutrition“ (deutsch: Fütterung und Nahrung von Heimkaninchen) von Lowe aus dem Buch „Nutrition of the Rabbit“ von de Blas & Wiseman aus dem Jahr 2010. Das sind die derzeit aktuellsten, verfügbaren Werte. Aus Deutschland sind solche Informationen nicht erhältlich und wenn, werden sie aus dieser oder älteren Quellen zitiert.

In den Betrachtungen werde ich zwar verschiedene Mengen für mögliche Futtermittel angeben, die aber am Ende gar nicht wirklich interessieren. Was ich vielmehr zeigen möchte ist, wie sich bestimmte Futtermittelarten (Wiese, Gemüse, Heu) in den Nährstoffen voneinander unterscheiden. Als Basis für den Vergleich benutze ich den empfohlenen Gehalt für die essentiellen Aminosäuren Methionin + Cystin (Met+Cys) von 5,5 g/kg Trockensubstanz eines Futters von Lowe, 2010. Als Rahmen soll ein Kaninchen mit 2,5-3,0 kg Körpergewicht dienen, welches am Tag ca. 120 g Trockensubstanz verzehren kann. Für dieses beträgt der tägliche Bedarf an Met+Cys = 0,72 g.

Szenario 1: Wiese

Wer sein Kaninchen mit frischen Wiesenpflanzen („Wiese“) wie Gräsern und Kräutern füttert, darf relativ sicher sein, dass die Bedarfswerte für die Erhaltung erfüllt werden. Das setzt voraus, dass vorwiegend junge, blattreiche Pflanzen in ausreichender Menge angeboten werden. Meine Empfehlung lautet, pro Tier eine Menge anzubieten, die seinem Körpergewicht entspricht. Diese würde dann dem entsprechen, was mit „ad libitum“ beschrieben wird. Eine Begründung für diese Menge wird später noch geliefert. Diese Nahrung entspricht dem natürlichen Futterspektrum von Wildkaninchen und erfüllt somit Anforderungen wie „artgerecht“, arttypisch“, „artgemäß“ oder „tiergerecht“. Die Wiese soll somit, neben den Bedarfswerten von Lowe, 2010) als Referenz für die weiteren Betrachtungen dienen.

In dem Diagramm habe ich links den Betrag der Kohlenhydrate dargestellt und rechts das, was die jeweiligen Kohlenhydrate verwertet bzw. abbaut und dem Körper zur Verfügung stellen kann (Enzyme, Bakterien).

Bild 1: Analysewerte für Wiese, in 120 g Trockensubstanz





Mit 120 g Trockensubstanz würde ein Kaninchen eine Gesamtmenge von frischer Wiese von 645 g aufnehmen. Damit würde es mit rund 0,84 g Met+Cys 17% über dem Bedarf liegen. Die aufgenommene Menge an löslichen Kohlenhydraten liegt mit 45% und der von Rohfett um 11% unter dem Bedarf. Warum das so ist, wird noch erläutert. Der Gehalt an verdaulicher Energie liegt mit 10% leicht über dem Bedarf.

Fazit: für eine Fütterung geeignet

Szenario 2: 50% Grünkohl + 50% Gemüse

Weil ja der Grünkohl so reich an Met+Cys ist, nehme ich ihn jetzt mit 50% (347 g) der Gesamtfuttermenge an. Für den Rest nehme ich jeweils 5% Äpfel (43 g), 5% Banane (31 g) sowie jeweils 10% (109 g) Mohrrüben, 10% (308 g) Salat und 10% (125 g) Brokkoli. Um die 120 g Trockensubstanz vollzumachen, fehlen jetzt noch 10% (13 g) Heu. Mit dieser Mischung von 120 g Trockensubstanz beträgt der Met+Cys-Gehalt 5,5 g, würde also genau den Bedarf erfüllen.

Bild 2: Das Ergebnis von Szenario 2: 50% Grünkohl + 50% Gemüse


Mit der Mischung müsste das Kaninchen eine Gesamtmenge frischen Futters von 975 g aufnehmen, also 34% mehr als mit Wiese, um den Bedarf von 5,5 g Met+Cys zu erreichen. Der Betrag an löslichen Kohlenhydraten (NFC) liegt dabei um das Dreifache höher als in Wiese und demgemäß ist auch der Energiegehalt mit 25% über dem Bedarf deutlich höher. Und das, obwohl auch der Rohfettgehalt um 50% niedriger als in Wiese liegt! Sie erinnern sich bestimmt, dass ich das Argument von Tierschutzerinnen als sinnfrei bezeichnet habe, dass Kaninchen mit Wiese fett werden würden, aber mit Gemüse nicht? Hier haben Sie den Grund für meine Feststellung.

Der Betrag an NDF (Lignin + Cellulose + Hemicellulose) liegt um 30% niedriger als die Empfehlung und in Kombination mit dem sehr hohen NFC Gehalt ergibt sich hier eine potentiell krankmachende Gefahr. 

Fazit: für eine Fütterung ungeeignet

Szenario 3. 80% Heu + 20% Grünkohl

Kennen Sie die Empfehlung von "80% Heu + 20% Gemüse"? Auch so eine segensreiche Erfindung des Tierschutzes (für den Halter). Schauen wir mal, was das bedeuten würde. Ich nehme als Ersatz für Gemüse den Grünkohl, weil der ja so viel Aminosäuren Met+Cys enthält (im Gegensatz zu Wurzelgemüse). 

Bild 3: Das Ergebnis von Szenario 3: 80% Heu + 20% Grünkohl



Wenn wir jetzt mal den rechten Balken nehmen und rüber zur Wiese schielen, scheint sich das Verhältnis der Rohnährstoffe etwas angeglichen zu haben. Aber, aber, aber ... leider kommt das Heu mit einem deutlichen Defizit an Aminosäuren daher, so dass Met+Cys mit einer solchen Mischung um 20% unter dem Bedarf liegen würde. Rohfett wäre mit fast 60% im Minus und Rohprotein mit knapp 50%. Der Energiebedarf wäre mit einem Defizit von 5% fast erreicht. Die gesamte Menge des frischen Futters, welches mit der Trockensubstanz von 120 g aufgenommen wird, würde mit 245 g deutlich unter der von Wiese mit 645 g liegen, was ebenfalls ein großer Nachteil wäre.

Fazit: für eine Fütterung ungeeignet


Szenario 4: 80% Heu + 20% Gemüse

Im Sommer gibt es ja keinen Grünkohl, also tauschen wir den Grünkohl gegen eine bunte Mischung aus verschiedenen Gemüse- und Obstsorten aus.

Bild 4: Das Ergebnis von Szenario 3: 80% Heu + 20% Gemüse & Obst


Die Verteilung der Rohnährstoffe sieht fast gleich wie in 80% Heu + 20% Grünkohl aus, nur ist der Anteil der essentiellen Aminosäuren noch einmal gesunken und  beträgt jetzt nur noch die Hälfte der Empfehlung - also -50%! Vergessen wir also lieber dieses Horrorszenario ganz schnell ...

Fazit: für eine Fütterung ungeeignet

Szenario 5: 80% Wiese + 20% Gemüse

Wie wäre es denn, wenn wir aber das Heu gegen frische Wiese austauschen würden? Also nur "frisch" gegen "getrocknet" austauschen? Von bekannten Tierärzten wird ja häufig geschrieben, dass man "Heu und/oder frische Wiese" füttern könnte, als wäre es das Gleiche.

Bild 5: Das Ergebnis von Szenario 3: 80% Wiese + 20% Gemüse & Obst


Der einzige Mangel wären jetzt die NFC mit -20% gegenüber der Empfehlung, was aber nicht weiter dramatisch ist. Mit Met+Cys gibt fast eine Punktlandung (+3%). Naja, und die Verdauliche Energie ist mit +15% immer noch höher als mit "nur" Wiese, was ja aber nur eine weitere Bestätigung dafür ist, dass Kaninchen nicht mit Wiese, sondern eher mit Gemüse zunehmen würden. Die gesamte, zu fressende Futtermenge würde auf Grund des hohen Wassergehaltes des Gemüses aber rund 888 g betragen - es ist die Frage, ob ältere Tiere diese Mengen schaffen können.

Fazit: nur bedingt geeignet

Szenario 6: 100g Frischfutter/kg Körpergewicht

Die letzte Mode, die ich im Internet mitbekommen habe, hieß "100 g Frischfutter pro kg Körpergewicht Kaninchen". Diese wurde sogar von A. Ewringmann 2010 in ihrem Buch "Leitsymptome beim Kaninchen" in ihre Fütterungsempfehlung eingebaut. Wer auch immer sich diese Absurdität ausgedacht hat, wird sich damit wohl sehr geschmeichelt fühlen. Wie auch immer, wir schauen uns mal an, was das für die Nährstoffe bedeutet. Dr. Ewringmann "erlaubt" noch 1 Esslöffel Pellets/kg Körpergewicht, was für unser 2,5kg Tier rund 25g bedeuten würde. Das Problem ist, dass für Pellets nur Werte für Rohnährstoffe existieren - über Kohlenhydrate geben Futtermittelhersteller keine Auskunft (aus gutem Grund). Also habe ich für meine Betrachtung den Nährstoffgehalt von Pellets mit den Empfehlungen zum Bedarf gleichgesetzt, also idealisiert.

Bild 5: Das Ergebnis von Szenario 6: 100g/kg Körpergewicht Frischfutter + Heu + Pellets


Die größte Übereinstimmung in den Rohnährstoffen besteht - logischerweise - mit dem Szenario 3 "80% Heu + 20% Grünkohl". Ich habe ja den Grünkohl nur durch Gemüse und etwas Pellets ersetzt. Wer die Szenarien aufmerksam verfolgt verfolgt hat, kann sich jetzt auch schon ausmalen, was daraus resultiert:  der Gehalt an Met+Cys wird noch geringer, so dass das Defizit jetzt 35% beträgt. Rohfett liegt um 60% unter dem Bedarf und Rohprotein um 45%. Die gesamte Futtermenge wäre um rund 80% niedriger als mit Wiese - sie beträgt nur 366 g.

Fazit: für eine Fütterung ungeeignet.

Zusammenfassung

Ich denke, damit ist ein großer Teil der Szenarien abgedeckt, der Hauskaninchen heute zugemutet wird und auch so empfohlen wird. Einigen werden wohl mittlerweile die Augen flimmern von den bunten Diagrammen. Wissen Sie noch, wie sich die verschiedenen Szenarien zahlenmäßig unterscheiden? Natürlich nicht - das brauchen Sie auch nicht. Es geht um prinzipielle Zusammenhänge und ob die jetzt jweils um einige Gramm abweichen spielt überhaupt keine Rolle.

  1. Evolutionär bedingt ist setzt sich die Nahrung des Kaninchens aus frischen Wiesenpflanzen zusammen. Dies verfügen über die Energie und alle Nährstoffe in einer Menge und Zusammensetzung, die seine Bedürfnisse befriedigt. Anderslautende Argumente der Futtermittelindustrie und deren Lobbyisten beziehen sich in der Regel auf "Leistungen", die von Kaninchen erwartet werden und nur durch Konzentrat- bzw. Leistungsfuttermittel erzielt werden können. Dabei geht es hauptsächlich um das Erreichen eines Schlachtgewichtes in kurzer Zeit und die Fortpflanzungsleistungen.
  2. Gemüse ist generell arm an essentiellen, schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein. Vor allem Wurzelgemüse verfügt über einen hohen Anteil an  Nichtfaser-Kohlenhydraten (NFC), weshalb es sehr energiereich ist. Dafür müssen allerdings große Mengen aufgenommen werden, weil es sehr wasserhaltig ist. Der Gehalt an schwer- und unverdaulichen Kohlenhydraten ist dagegen sehr gering.
  3. Grünkohl verfügt zwar über einen vergleichsweise hohen Methionin-/Cystingehalt, aber wie Gemüse auch nur über wenig unverdauliche, aber sehr viel leicht und komplett verdauliche Nichtfaser-Kohlenhydrate (NFC). 
  4. Heu als getrocknete Version fon frischen Pflanzen hat nährstoffmäßig nur noch wenig mit der Ursprungsform zu tun, weil es ernte- und lagerungsbedingt zu hohen Verlusten an wasserlöslichen Substanzen wie Amino- und Fettsäuren sowie Vitaminen kommt. Dafür ist der Anteil schwer- und unverdaulicher Kohlenhydrate relativ hoch.
  5. Sobald man anfängt, die arttypische Nahrung "Wiese" durch Alternativen wie Gemüse, Kohl oder Heu zu ersetzen, ergeben sich bestimmte Defizite oder Überangebote an Nährstoffen, die sich schädlich auf die Gesundheit auswirken können. 
Unter dem jeweiligen Szenario habe ich als Fazit geschrieben, ob es (aus meiner Sicht) für eine Fütterung geeignet ist oder nicht. Damit ist eine langfristige bzw. dauerhafte Fütterung gemeint. Wenn ein Kaninchen für eine gewisse Zeit (ca. 6 - 12 Wochen) nicht optimal mit allen Nährstoffen versorgt wird, fällt es aber deswegen nicht gleich am ersten Tag tot um. Schäden, die aus der Fütterung resultieren, sind in Bezug auf Nährstoffe wie Proteine, Fette und Kohlenhydrate erst nach länngerer Zeizt sichtbar und man braucht entsprechend lange, um sie wieder zu korrigieren. Für strukturierte, Faser-Kohlenhydrate ("Rohfaser") sieht das schon etwas anders aus. Diese beeinflussen, neben der Versorgung der Bakterien im Darm, auch den Kauvorgang, also den Zahnabrieb und die Zerkleinerung der Nahrung. Die ist wichtig, damit Verdauungsenzyme wie z. B. Amylase effektiv wirksam werden können.

Ich komme noch einmal zurück auf den ersten Teil, in dem ich mich gefragt hatte, was eigentlich diese merkwürdigen Mengenangaben wie "wenig", "nur selten" usw. bei alternativen Futtermitteln zu bedeuten haben. Liebe Leser, Sie werden mir jetzt sicher folgen können, wenn ich sage, dass die absolut sinnfrei sind. Ob ich etwas mit einem Mangel von z. B. 20% nur wenig, selten oder viel und oft füttere, ist völlig egal - der Mangel von 20% bleibt. Wenn man dem Kaninchen z. B. einen Sack Möhren, einen Sack Brokkoli, einen Sack Gurken und einen Sack Heu hinstellt, also alles "ad libitum" anbietet, wird es davon so viel fressen, wie es eben schafft. Die Aufnahmemenge wird durch den Energiegehalt oder die Masse begrenzt (in meinem Beispiel 120 g TS oder ca. 720 g uS). Trotzdem wird es auf die Dauer einen Mangel an den hier beschriebenen Aminosäuren erleiden.

Kaninchen sind in der Lage, das Aminosäuremuster in der Nahrung zu erkennen und die Aufnahme entsprechend zu regulieren. Da in Gemüse und Heu (als Beispiele) die schwefelhaltigen Aminosäuren mit zu geringen Gehalten vorliegen, nutzt ihnen diese Fähigkeit aber nicht sehr viel. Dieses Prinzip wurde vor einiger Zeit von einigen gründlich missverstanden und so wurde aus "ad libitum" ein "Konzept" erstellt, welches den Kaninchen schaden kann. Liebe Leser, hüten Sie sich bitte vor irgendwelchen "Konzepten" in der Tierernährung. Sie dienen oft nur der Profilierung bzw. Selbstdarstellung des Erstellers, sind aber für Kaninchen eher Müll. Ich habe seinerzeit zwar gegen dieses "Konzept" angeschrieben, aber meine Reichweite und Überzeugungskraft reichten wohl nicht, diesem Unsinn von vornherein einen Riegel vorzuschieben.

Wie auch immer - wahrscheinlich wird einigen Lesern aufgefallen sein, dass ich für manche Gehalte bei Wiese geschrieben hatte, die wären nicht so dramatisch, aber bei Gemüse schon. Sie denken jetzt sicher: "Ha, Rühle der Schlawinerich! Der verharmlost oder verschweigt doch etwas!". Natürlich nicht, aber manche Dinge lassen sich nur peu à peu erklären. Was ich bisher immer elegant umschifft habe, sind die "Kohlenhydrate". In dem ersten Diagramm hatte ich rechts neben den Balken "Enzyme" und "Bakterien" neben den jeweiligen Kohlenhydratgruppen angegeben. Darum wird es im nächsten Beitrag gehen. Bleiben Sie also schön neugierig und interessiert ...


Quellen:
BVL. 2013. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Amtliche Futtermittelüberwachung. [Online] BVL, 2013. [Zitat vom: 23. 09 2013.] http://www.bvl.bund.de/DE/02_Futtermittel/01_Aufgaben/02_Amt_Futtermittelueberwachung/fm_ueberwachung_node.html.
Ewringmann, A. 2010. Leitsymptome beim Kaninchen: diagnostischer Leitfaden und Therapie. Stuttgart : Enke, 2010. ISBN 978-3-8304-1090-4.
Lowe, J. A. 2010. Pet Rabbit Feeding and Nutrition. [Hrsg.] C. de Blas und J. Wiseman. Nutrition of the Rabbit. s.l. : CAB International

Sonntag, 26. November 2017

Futtermengen Teil 4

Je nach Trockenmassegehalt (und Energiegehalt) der Nahrung frisst ein Kaninchen entsprechende Gesamtmengen an Futter. Mit anderen Worten: je mehr Wasser ein Futter enthält, um so größer ist die Futtermenge und somit auch das Volumen der Nahrung. Man kann sich das relativ leicht ausrechnen. Ein Kaninchen frisst 3-4% Trockenmasse, bezogen auf sein Körpergewicht. Der Einfachheit halber gehe ich in den folgenden Darstellungen von 4% aus. In der Tabelle 1 sind, ausgehend von den 4%, die theoretischen, zu fressenden Trockensubstanzmengen sowie die Mengen für ein Futter mit 20 % Trockensubstanz (Gemüse, Wiese) und für 90% Trockensubstanz (Trockenfutter, Heu) für verschieden schwere Kaninchen aufgeführt. In der äußersten rechten Spalte habe ich der Vollständigkeit halber noch einmal die Empfehlungen für die Verdauliche Energie DE angegeben. 

Tabelle 1: Trockensubstanz und Futtermengen

 

Mit den Anhaltswerten in Tabelle 1 hat man einen ungefähren Rahmen dessen, was ein Kaninchen frisst und welcher Energiebedarf besteht.

Man erkennt aus den Werten in der Tabelle 1, dass ein Kaninchen mit wasserhaltiger Nahrung (hier mit 80% angenommen) im Vergleich zu Trockenfutter (10% Wasser) etwa die 4,5fache Menge fressen muss. Damit haben wir so ganz nebenher einen eklatanten Nachteil des Trockenfutters bzw. von Heu festgestellt, der aber an dieser Stelle erst einmal keine Rolle spielen soll.
 
Bild 1: Volumen von Nahrungsmitteln mit gleichem Trockensubstanzgehalt, aber unterschiedlicher Wassermenge


Das "Rohprotein" beschreibt eine eine Nährstoffgruppe. Es setzt sich u. a. aus verschiedenen Aminosäuren zusammen, von denen einige essentiell sind (siehe auch diesen Beitrag zu Methionin und Cystin).

In der folgenden Tabelle sind prozentuale Differenzen der Gehalte von Rohprotein, den Aminosäuren Methionin + Cystin sowie Tryptophan zu derzeit aktuellen Empfehlungen dargestellt. Die rot und mit einem Minus gekennzeichneten Gehalte stellen das prozentuale Defizit dar, schwarz Gehalte, die über der empfohlenen Menge liegen.

Tabelle 1:  Differenzen der Gehalte in % von Rohprotein (Rp), Methionin + Cystin (Met+Cys) und Tryptophan (Tryp) zu empfohlenen Gehalten; für ein Kaninchen mit 2,5 kg Körpergewicht und einer aufgenommenen Trockensubstanzmenge von 120 g


Beispielhaft sei die erste Zeile in der Tabelle betrachtet - der Kohlrabi: Das Rohprotein liegt ca. 20% über dem empfohlenen Gehalt. Daraus würde man also entnehmen, dass der Rohproteingehalt des Kohlrabis "normgerecht" ist und somit den Bedarf des Kaninchens erfüllen kann. Etwas anders sieht es dann aber mit den Aminosäuren aus, welche die Wertigkeit des Proteins bestimmen. Der Gehalt von Methionin + Cystin liegt um 50% unter der Empfehlung und der von Tryptophan um 5%.

Die Zeile "Mittelwert" enthält den arithmetischen Mittelwert der darüber stehenden "Futtermittel" einschließlich dem Apfel. Man erkennt, dass das größte Defizit von Gemüse wie auch Apfel als Obst-Vertreter bei den essentiellen, schwefelhaltigen Aminosäuren liegt. Was das bedeuten kann, wurde ebenfalls im Beitrag  zu Methionin und Cystin erläutert. Das wurde, wie aus einer Diskussion deutlich wurde, etwas missverstanden, denn die Intention liegt in der Vorbeugung von Harnwegeerkrankungen (Steine) und nicht in deren Behandlung. Ein Kaninchen, welches rund um die Uhr optimal mit diesen Aminosäuren versorgt wird, dürfte insgesamt weniger anfällig für Harnwegserkrankungen sein, weil der pH-Wert durch die natürliche, ansäuernde Wirkung der schwefelhaltigen Aminosäuren etwas gedrückt wird, also weniger stark basisch ist. Der pH-Wert des Urins hat, neben anderen Faktoren, einen starken Einfluss auf die Steinbildung in den Harnwegen. Je niedriger, umso geringer ist die Gefahr, dass sich unlösliche Calciumphosphatverbindungen bilden.

Protein bzw. Eiweiß besteht aus den Elementen Kohlenstoff (C), Wasserstoff (H), Sauerstoff (O), Stickstoff (N) sowie Schwefel (S) und etwas Phosphor (P). In der Weende-Analyse wird kein Proteinwert, sondern ein Stickstoffgehalt ermittelt. Da dieser im Protein etwa 16% beträgt, wird in der Futtermittelanalyse auf den Gesamteiweißgehalt geschlossen, indem man den Stickstoffgehalt mit 6,25 multipliziert (100:16 = 6,25). Das "Rohprotein" in der Deklaration oder in den Futterwerttabellen ist also kein Analysewert, sondern ein theoretischer, errechneter.

Das Protein ist aus Aminosäuren zusammengesetzt. Ihr Gehalt und Verhältnis bestimmen, was das Gesamtprotein eigentlich wert ist, dem Organismus also nutzt. Es gibt Aminosäuren, die essentiell, semi-essentiell und nicht essentiell sind. Essentiell heißt, sie sind lebensnotwendig und können im Körper nicht synthetisiert (vom Körper selbst hergestellt) werden. Semi-essentiell bedeutet, dass diese Aminosäuren nicht immer, aber in bestimmten Situationen essentiell sind. Das wären z. B. das Wachstum, die Säugephase der Häsin oder im Krankheitsfall. Nichtessentiell sind solche, die der Körper selbst herstellen, also aus anderen Aminosäuren bilden kann. Essentielle Aminosäuren für das Kaninchen sind Arginin, Histidin, Isoleucin, Leucin, Lysin, Phenylalanin, Tyrosin, Methionin und Cystin, Threonin, Tryptophan und Valin. Beim Kaninchen gibt es eine kleine Besonderheit, weil es den Blinddarmkot für sich nutzt. Dieser besteht unter anderem aus dem Protein von Bakterien, die im Blinddarm leben und einige essentielle Aminosäuren zusätzlich liefern - der Betrag liegt bei ca. 10%.

Auf ihrer Webseite informiert z. B. die Tierärztin Dr. Drescher über die Funktion der Verdauung und dem Beitrag des Blinddarmkots folgendermaßen: "Blinddarmkot besteht aus Bakterien, Mukoproteinen und Vitaminen, verweilt bis zu 6 Stunden im Magen und bleibt durch die Schleimhülle lange erhalten. Die in der Caecotrophe enthaltenen Bakterien sind durch ihre bakteriellen Enzyme so lange wirksam, bis sie durch die Salzsäure des Magens inaktiviert werden. Anschließend erfolgt im Magen und Dünndarm eine Auflösung der Schleimhülle mit nachfolgender Verdauung. Auf diese Weise sind diese Tierarten in der Lage, aus zellulosereichen Futtermitteln – die keinerlei sonstige Inhaltsstoffe wie Proteine, Fette, Kohlenhydrate oder Vitamine beinhalten müssen – alle für sie essentiellen Nährstoffe selbst zu synthetisieren." Ein Futtermittel, welches nur Zellulose enthielte und, für unsere Betrachtungen, kein Protein, wäre gewissermaßen das Aus für die Tierart "Kaninchen". Wie erwähnt, liefern Bakterien rund 10% essentieller Aminosäuren wie Methionin, aber viele Gemüsesorten und auch getrocknete Futtermittel wie Heu verfügen über so geringe Gehalte davon, dass die 10% quasi der Tropfen auf den heißen Stein wären. Von den anderen Nährstoffen ganz zu schweigen. Es gibt übrigens noch essentielle Fettsäuren, die nicht synthetisiert werden können, also auch nicht über den Blinddarmkot zur Verfügung stehen. Vitamine gelten prinzipiell als essentiell. Das Kaninchen als "Perpetuum mobile"? Das funktioniert natürlich nicht. Aber weg von den grusligen Darstellungen, welche sich gelegentlich im WWW finden und verbreitet werden.

Die folgende Darstellung wird Frau Meier sicher nicht gefallen, aber es ist tatsächlich so, das der Proteinstoffwechsel schon recht lange bekannt ist, also entsprechende Originalquellen sehr alt sind. Was soll's, ich führe sie trotzdem auf. Fehlt eine der essentiellen Aminosäuren, wird die Neukombination von körpereigenem Protein verhindert. Liegt eine dieser Aminosäuren nur mit einem unzureichenden Gehalt vor, schränkt das die Verwertung der anderen Aminosäuren ein. Das heißt also, dass die Vollständigkeit der essentiellen Aminosäuren die biologische Wertigkeit des Gesamtproteins bestimmt. Die fehlende bzw. mit dem niedrigsten, unzureichenden Gehalt vorliegende essentielle Aminosäure begrenzt den Wert des gesamten Proteins in der Futterration, weshalb diese limitierend (begrenzend) genannt wird. Unter diesen limitierenden Aminosäuren gibt es wiederum jene, die besonders wichtig sind und als „erstlimitierend“ bezeichnet werden. Beim Kaninchen sind dies Lysin, Methionin, Cystin, Tryptophan und Threonin.

Das Prinzip der limitierenden Aminosäuren beschreibt das „Minimumgesetz“ von Carl Sprengel, der es 1828 ursprünglich für das Pflanzenwachstum postulierte. Es wurde 1855 von Justus Liebig popularisiert und besagt, dass das Wachstum durch die knappste Ressource (den Minimumfaktor) eingeschränkt wird. Wird ein Nährstoff hinzugegeben, der bereits im Überfluss vorhanden ist, hat das keinen Einfluss auf das Wachstum. Veranschaulicht wird dies durch das „Liebigsche Fass“, welches nur so hoch gefüllt werden kann, wie die niedrigste Daube hoch ist. Dieses Gesetz wurde von G. Liebscher 1895 zum „Optimumgesetz“ ergänzt, welches besagt, dass der Minimumfaktor umso wirksamer für das Wachstum ist, je mehr sich die anderen Faktoren im Optimum befinden.

Am Beispiel des Liebigschen Fasses wird der Einfluss der erstlimitierenden Aminosäure Methionin auf die Qualität des Gesamtproteins dargestellt: die Höhe der Dauben symbolisiert den jeweiligen Gehalt der Aminosäuren im Futter. Das Fass kann in diesem Fall nur so hoch gefüllt werden, wie Methionin im Futter vorhanden ist. Selbst wenn man den Gehalt einer anderen Aminosäure erhöhen würde, wäre das zwecklos, weil das fehlende Methionin die Verwertung aller Aminosäuren verhindert - dass Fass läuft quasi schon vorher aus.

Bei Methionin handelt es sich um eine schwefelhaltige, essentielle Aminosäure, die für den Körper sehr wichtig ist. In kommerziellen Futtermitteln (Pellets) wird sie häufig zugesetzt. Wenn sie in ausreichender Menge vorliegt, können aus ihr die Aminosäuren Cystin und Tyrosin synthetisiert werden. Durch die Übertragung von Methylgruppen trägt es zu Entgiftungsvorgängen in der Leber bei. Da Methionin Wasserstoffionen zur Verfügung stellt, ist es wichtig für die Regulierung des Säure-Basen-Gleichgewichtes. Letztlich wird es für die Aufnahme und den Transport von Selen im Körper benötigt.

Cystin findet sich unter anderem in den Zellen des Immunsystems. Dessen Vorstufe L-Cystein wird aus Methionin synthetisiert. Cystein unterstützt das Reifen von Lymphozyten und aktiviert Zellen, die für die Immunabwehr wichtig sind. Deshalb spielt Methionin nicht nur an sich eine wichtige Rolle, sondern stellt auch einen limitierenden Faktor für die Synthese von Cystein dar.

Ich habe in der Tabelle am Anfang des Beitrags einen Mittelwert des Gehaltes von Methionin und Cystin aus verschiedenen Gemüssorten gebildet. Der Betrag liegt ca. 50% unter dem des empfohlenen. Das heißt, mit einer angenommen Mischung aus diesen "Futtermitteln" wäre das Kaninchen nur zur Hälfte mit den erstlimitierenden Aminosäuren Methionin und Cystin versorgt. Den "Rest" müsste es sich woanders her "besorgen". Der Blinddarmkot liefert eventuell ca. 10%, wären also noch 45% offen. "Woher nehmen, wenn nicht stehlen"?

Laut eimem Artikel in der Rodentia können sich Kaninchen aus einer großen Menge (ad libitum) Gemüse alles herausuchen, was sie tatsächlich benötigen: "Gemüse in großer Menge ermöglicht den Kaninchen, sich herauszusuchen, was sie tatsächlich benötigen, und birgt keinerlei Gefahren." (Schillinger, 2011). Sie können sich aus -27,5% ... -85,2% Methionin+Cystin, also aus einem Defizit, aussuchen, was sie brauchen? Das ist ein Widerspruch in sich ... Zu dem Gemüse kommt noch Heu dazu, im schlimmsten Fall also -9,2% Meth+Cys (Luzerneheu ist wegen dem Calciumgehalt "verboten"). Wie mache ich aus zwei Defiziten, also aus zwei Minus ein Plus? Ja, ok - durch Multiplikation. Aber den Fall haben wir hier nicht, sondern eine Summe. Wenn ich zwei negative Gehalte addiere, ergibt das die negative Summe daraus. Oder ich bilde einen Mittelwert, der auch negativ wäre. Wenn ich z. B. Kohlrabi und Mohrrübe zu gleichen Teilen verfüttern würde, ergäbe sich ein Minus von 58%. Mehr als die Hälfte fehlen also zum empfohlenen Gehalt. Mit der Aussage in der Rodentia wurde in dem Bemühen, über "Mythen" in der Kaninchenernährung aufzuklären, tatsächlich ein weiterer Mythos etabliert. Bei fehlender Auswahlmöglichkeit an arttypischer Nahrung (frischen Wiesenpflanzen) ist Gemüse nämlich durchaus geeignet, Kaninchen zu schaden.

Jetzt werde ich noch richtig fies und nehme Frau Meier auch noch ein Argument für eventuelle Einwände - die Empfehlung für den Methionin/Cystin-Gehalt stammt aus einer aktuellen Quelle, nämlich aus dem Kapitel "Pet Rabbit Feeding and Nutrition" (Heimkaninchenfütterung und Nahrung) von Lowe, 2010 und die Gehalte für Aminosäuren aus der 7. Auflage, 2008 des Tabellenwerkes "Die Zusammensetzung der Lebensmittel" von Souci, Fachmann und Kraut.

Also, liebe Leser - wie erfülle ich den Bedarf meiner Kaninchen an essentiellen Aminosäuren, wenn ich Heu und Gemüse füttere? Wenn Getreide und Trockenfutter "verboten" sind? Wenn ich keine Wiese sammeln darf/kann/will?

Natürlich haben Sie die Lösung in der Tabelle 1 schon erspäht: es ist der Grünkohl. Wenn man bestimmte Gemüsesorten aussuchen und mit Grünkohl ergänzen würde, könnte man vielleicht dem Dilemma entkommen? Am besten benutzt man dafür eine Feinwaage, damit nichts schiefgeht. Und wir müssen Sorge tragen, dass der Grünkohl auch in der Menge gefressen wird, die das Kaninchen braucht, um den Bedarf an Meth+Cys zu decken. Dabei könnte es allerdings zu einem kleinen Problem kommen. Schon wieder. Ich komme immer nur mit Problemen ...

Sie erinnern sich bestimmt, liebe Leser, dass ich schon einmal kurz auf die Kohlenhydrate eingegangen bin (ich werde das aber später noch einmal explizit aufdröseln). Die sieht man in der 150 Jahre alten Weende-Analyse nicht, mit der Frau Meier aber eigentlich ganz zufrieden ist. Dort sind die Kohlenhydrate zum Teil ein Gemisch aus Rohfaser und den NfE.In der erweiterten Futtermittelanlayse /Detergenzienanalyse) nach van Soest sieht man aber zumindest einige, wichtige Gruppen: "Cellulose", "Hemicellulose" und "Non fibre carbohydrats" (Nichtfaser-Kohlenhydrate) NFC. Noch einmal als Erinnerung: NFC sind die Kohlenhydrate, die leicht und komplett verdaulich sind, weil sie durch Enzyme verwertet werden. Es handelt sich damit um solche, die man umgangssprachlich auch als das bezeichnet, was im Überschuss "dick macht".

In dem folgenden Diagramm sind Analysewerte nach van Soest für Wiese und Grünkohl in 120 g Trockenmasse aufgeführt, also das, was ein 2,5kg-Kaninchen an Masse täglich fressen kann. Die Balkenabschnitte sind mit den entsprechenden Nährstoffgruppen beschriftet. Neben dem Balken für Wiese ist links der Anteil der Kohlenhydrate dargestellt und rechts das Prinzip der Verdauung. Für NFC sind das Enzyme und für Hemicellulose sowie Cellulose die Bakterien im Darm. Lignin ist unverdaulich. Die Bezeichnungen gelten natürlich entsprechend für Grünkohl.

Bild 2: van Soest Analysewerte für 120g Wiese und Grünkohl, in g/120g TS; Abgrenzung der Kohlenhydrate; Verdauung der Kohlenhdratgruppen durch Enzyme und Bakterien  


Aus dem Diagramm lassen sich sehr viele Fakten ableiten, aber wir sind ja beim Thema Aminosäuren. Die sieht man in dem Diagramm nicht, weil solche Werte nicht deklariert werden. Wohlgemerkt - es handelt sich bei Aminosäuren um lebenswichtige Inhaltsstoffe, aber sie werden nicht angegeben. Man muss sich diese Werte also aus diversen Quellen besorgen. Diese könnte man dann in entsprechenden Tabellen aufführen. Das hat den Nachteil, dass man schnell den Überblick verliert, vor allem dann, wenn man gleichzeitig noch andere Nährstoffe im Blick behalten möchte. Manchem Leser schwant bestimmt schon etwas, wenn er sich den NFC-, Cellulose-, Hemicellulose- und Ligningehalt in dem Diagramm anschaut. Das sieht nicht gut für den Grünkohl aus und weist auf ein Problem ... Moment bitte, ich höre da gerade jemanden aufgeregt mit den Fingern schnippen ... Ääh, ja bitte, Frau Meier?

Frau Meier: Sie wollen doch jetzt nicht den Grünkohl madig machen, Herr Rühle! Der ist sehr beliebt und auch sehr gesund. Das ist allgemein bekannt.
Ich: Nein Frau Meier, ich will den Grünkohl nicht madig machen, dass besorgt die Natur. Sie beziehen "beliebt" und "gesund" auf die menschliche Ernährung, stimmt's?
Frau Meier: Natürlich nicht nur. Auch für die Kaninchen gilt das. Dafür braucht man nicht einmal Studien, weil das allgemein bekannt ist. Und aus meiner Erfahrung kann ich das nur bestätigen.
Ich: Unsere Kaninchen fressen keinen Grünkohl.
Frau Meier: Dann stimmt etwas nicht mit Ihren Tieren. Vermutlich vom Züchter und der hat Inzucht getrieben.
Ich: Nein, sie  ...
Frau Meier: ... und überhaupt! Niemand füttert doch nur Grünkohl! Es gibt ja auch noch andere, leckere Gemüse- und Kohlsorten! Das Beispiel ist also völlig neben der Praxis!
Ich: Vielen Dank für den Hinweis, Frau Meier. Ich wollte erst einmal grundsätzlich das Prinzip darstellen, wie ich zu meinen Schlussfolgerungen komme. Natürlich gibt es dann noch weitere Beispiele.
Frau Meier: Also ich finde es nicht gut, wie sie hier versuchen, Gemüse schlecht zu machen.
Ich: Das mache ich nicht, sondern die Natur. Ich bin nur der Überbringer von Nachrichten, weil viele nicht wissen, wie man bestimmte Dinge bewerten kann und wo man die Werte herbekommt. Ich nehme ihnen die Arbeit ab.
Frau Meier: Aber sie verunsichern doch die Halter, vor allem Jugendliche. Wir sind ja schon froh, wenn die ihren Tieren nicht nur buntes Trockenfutter geben.
Ich: Aber warum empfehlen sie dann nicht die arttypische Nahrung von Kaninchen wie Wiese?
Frau Meier: Weil viele nicht die Zeit und Lust haben, Grünes zu sammeln.
Ich: Woher wissen Sie das?
Frau Meier: Na, das ist eben so und deshalb müssen wir aufklären und Alternativen anbieten.
Ich: Ich habe andere Erfahrungen gemacht. Wenn man den Haltern erklärt, dass bestimmte Dinge notwendig sind, damit sich ihre Tiere wohl fühlen und gesund bleiben sind viele auch bereit, den Aufwand in Kauf zu nehmen.
Frau Meier: Das kann ja sein, unsere Erfahrungen sind jedenfalls andere und jetzt habe ich sowieso keine Zeit mehr, mit Ihnen zu diskutieren. Meine "Schnuffelnase" hat jetzt einen Termin zum Zähne schleifen und "Kuschelinchen" hat schon wieder so komische Bauchgeräusche und niest dauernd. Und tschüss!
Ich: Äähh ...
Frau Meier: ... (ist dann mal wech)

Nach der kurzen Unterbrechung also weiter im Thema: wie ich bereits angedeutet hatte, kann Grünkohl natürlich nicht die alleinige Nahrung für Heimkaninchen sein - die Regel ist ein Gemisch aus verschiedenen Gemüse-, Salat- und Kohlsorten und dazu Heu. Bevor Sie jetzt also Unmengen an Grünkohl besorgen, warten Sie bitte auf den nächsten Beitrag. Die Aminosäuren sind ja nur ein Aspekt in der Ernährung ...


Quellen:
Drescher, B: Der Unsinn mit den „Snacks“ für Kaninchen und Meerschweinchen. Internetressource. www.birgit-drescher.de - Kleintierklinik, Veterinärmedizin Priv. Doz. Dr. med.vet. Birgit Drescher. URL: http://www.birgit-drescher.de/kaninchen02.html; Abruf am 13.11.2017

Lowe, J. A. 2010. Pet Rabbit Feeding and Nutrition. [Hrsg.] C. de Blas und J. Wiseman. Nutrition of the Rabbit. s.l. : CAB International 

Schillinger, V. (2011): Mythen in der Kaninchenernährung. Teil 2. Die größten Irrtümer über die Fütterung von Kaninchen. Rodentia 61. 35-37

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Qualität und Quantität (2)