Sonntag, 26. November 2017

Futtermengen Teil 4

Je nach Trockenmassegehalt (und Energiegehalt) der Nahrung frisst ein Kaninchen entsprechende Gesamtmengen an Futter. Mit anderen Worten: je mehr Wasser ein Futter enthält, um so größer ist die Futtermenge und somit auch das Volumen der Nahrung. Man kann sich das relativ leicht ausrechnen. Ein Kaninchen frisst 3-4% Trockenmasse, bezogen auf sein Körpergewicht. Der Einfachheit halber gehe ich in den folgenden Darstellungen von 4% aus. In der Tabelle 1 sind, ausgehend von den 4%, die theoretischen, zu fressenden Trockensubstanzmengen sowie die Mengen für ein Futter mit 20 % Trockensubstanz (Gemüse, Wiese) und für 90% Trockensubstanz (Trockenfutter, Heu) für verschieden schwere Kaninchen aufgeführt. In der äußersten rechten Spalte habe ich der Vollständigkeit halber noch einmal die Empfehlungen für die Verdauliche Energie DE angegeben. 

Tabelle 1: Trockensubstanz und Futtermengen

 

Mit den Anhaltswerten in Tabelle 1 hat man einen ungefähren Rahmen dessen, was ein Kaninchen frisst und welcher Energiebedarf besteht.

Man erkennt aus den Werten in der Tabelle 1, dass ein Kaninchen mit wasserhaltiger Nahrung (hier mit 80% angenommen) im Vergleich zu Trockenfutter (10% Wasser) etwa die 4,5fache Menge fressen muss. Damit haben wir so ganz nebenher einen eklatanten Nachteil des Trockenfutters bzw. von Heu festgestellt, der aber an dieser Stelle erst einmal keine Rolle spielen soll.
 
Bild 1: Volumen von Nahrungsmitteln mit gleichem Trockensubstanzgehalt, aber unterschiedlicher Wassermenge


Das "Rohprotein" beschreibt eine eine Nährstoffgruppe. Es setzt sich u. a. aus verschiedenen Aminosäuren zusammen, von denen einige essentiell sind (siehe auch diesen Beitrag zu Methionin und Cystin).

In der folgenden Tabelle sind prozentuale Differenzen der Gehalte von Rohprotein, den Aminosäuren Methionin + Cystin sowie Tryptophan zu derzeit aktuellen Empfehlungen dargestellt. Die rot und mit einem Minus gekennzeichneten Gehalte stellen das prozentuale Defizit dar, schwarz Gehalte, die über der empfohlenen Menge liegen.

Tabelle 1:  Differenzen der Gehalte in % von Rohprotein (Rp), Methionin + Cystin (Met+Cys) und Tryptophan (Tryp) zu empfohlenen Gehalten; für ein Kaninchen mit 2,5 kg Körpergewicht und einer aufgenommenen Trockensubstanzmenge von 120 g


Beispielhaft sei die erste Zeile in der Tabelle betrachtet - der Kohlrabi: Das Rohprotein liegt ca. 20% über dem empfohlenen Gehalt. Daraus würde man also entnehmen, dass der Rohproteingehalt des Kohlrabis "normgerecht" ist und somit den Bedarf des Kaninchens erfüllen kann. Etwas anders sieht es dann aber mit den Aminosäuren aus, welche die Wertigkeit des Proteins bestimmen. Der Gehalt von Methionin + Cystin liegt um 50% unter der Empfehlung und der von Tryptophan um 5%.

Die Zeile "Mittelwert" enthält den arithmetischen Mittelwert der darüber stehenden "Futtermittel" einschließlich dem Apfel. Man erkennt, dass das größte Defizit von Gemüse wie auch Apfel als Obst-Vertreter bei den essentiellen, schwefelhaltigen Aminosäuren liegt. Was das bedeuten kann, wurde ebenfalls im Beitrag  zu Methionin und Cystin erläutert. Das wurde, wie aus einer Diskussion deutlich wurde, etwas missverstanden, denn die Intention liegt in der Vorbeugung von Harnwegeerkrankungen (Steine) und nicht in deren Behandlung. Ein Kaninchen, welches rund um die Uhr optimal mit diesen Aminosäuren versorgt wird, dürfte insgesamt weniger anfällig für Harnwegserkrankungen sein, weil der pH-Wert durch die natürliche, ansäuernde Wirkung der schwefelhaltigen Aminosäuren etwas gedrückt wird, also weniger stark basisch ist. Der pH-Wert des Urins hat, neben anderen Faktoren, einen starken Einfluss auf die Steinbildung in den Harnwegen. Je niedriger, umso geringer ist die Gefahr, dass sich unlösliche Calciumphosphatverbindungen bilden.

Protein bzw. Eiweiß besteht aus den Elementen Kohlenstoff (C), Wasserstoff (H), Sauerstoff (O), Stickstoff (N) sowie Schwefel (S) und etwas Phosphor (P). In der Weende-Analyse wird kein Proteinwert, sondern ein Stickstoffgehalt ermittelt. Da dieser im Protein etwa 16% beträgt, wird in der Futtermittelanalyse auf den Gesamteiweißgehalt geschlossen, indem man den Stickstoffgehalt mit 6,25 multipliziert (100:16 = 6,25). Das "Rohprotein" in der Deklaration oder in den Futterwerttabellen ist also kein Analysewert, sondern ein theoretischer, errechneter.

Das Protein ist aus Aminosäuren zusammengesetzt. Ihr Gehalt und Verhältnis bestimmen, was das Gesamtprotein eigentlich wert ist, dem Organismus also nutzt. Es gibt Aminosäuren, die essentiell, semi-essentiell und nicht essentiell sind. Essentiell heißt, sie sind lebensnotwendig und können im Körper nicht synthetisiert (vom Körper selbst hergestellt) werden. Semi-essentiell bedeutet, dass diese Aminosäuren nicht immer, aber in bestimmten Situationen essentiell sind. Das wären z. B. das Wachstum, die Säugephase der Häsin oder im Krankheitsfall. Nichtessentiell sind solche, die der Körper selbst herstellen, also aus anderen Aminosäuren bilden kann. Essentielle Aminosäuren für das Kaninchen sind Arginin, Histidin, Isoleucin, Leucin, Lysin, Phenylalanin, Tyrosin, Methionin und Cystin, Threonin, Tryptophan und Valin. Beim Kaninchen gibt es eine kleine Besonderheit, weil es den Blinddarmkot für sich nutzt. Dieser besteht unter anderem aus dem Protein von Bakterien, die im Blinddarm leben und einige essentielle Aminosäuren zusätzlich liefern - der Betrag liegt bei ca. 10%.

Auf ihrer Webseite informiert z. B. die Tierärztin Dr. Drescher über die Funktion der Verdauung und dem Beitrag des Blinddarmkots folgendermaßen: "Blinddarmkot besteht aus Bakterien, Mukoproteinen und Vitaminen, verweilt bis zu 6 Stunden im Magen und bleibt durch die Schleimhülle lange erhalten. Die in der Caecotrophe enthaltenen Bakterien sind durch ihre bakteriellen Enzyme so lange wirksam, bis sie durch die Salzsäure des Magens inaktiviert werden. Anschließend erfolgt im Magen und Dünndarm eine Auflösung der Schleimhülle mit nachfolgender Verdauung. Auf diese Weise sind diese Tierarten in der Lage, aus zellulosereichen Futtermitteln – die keinerlei sonstige Inhaltsstoffe wie Proteine, Fette, Kohlenhydrate oder Vitamine beinhalten müssen – alle für sie essentiellen Nährstoffe selbst zu synthetisieren." Ein Futtermittel, welches nur Zellulose enthielte und, für unsere Betrachtungen, kein Protein, wäre gewissermaßen das Aus für die Tierart "Kaninchen". Wie erwähnt, liefern Bakterien rund 10% essentieller Aminosäuren wie Methionin, aber viele Gemüsesorten und auch getrocknete Futtermittel wie Heu verfügen über so geringe Gehalte davon, dass die 10% quasi der Tropfen auf den heißen Stein wären. Von den anderen Nährstoffen ganz zu schweigen. Es gibt übrigens noch essentielle Fettsäuren, die nicht synthetisiert werden können, also auch nicht über den Blinddarmkot zur Verfügung stehen. Vitamine gelten prinzipiell als essentiell. Das Kaninchen als "Perpetuum mobile"? Das funktioniert natürlich nicht. Aber weg von den grusligen Darstellungen, welche sich gelegentlich im WWW finden und verbreitet werden.

Die folgende Darstellung wird Frau Meier sicher nicht gefallen, aber es ist tatsächlich so, das der Proteinstoffwechsel schon recht lange bekannt ist, also entsprechende Originalquellen sehr alt sind. Was soll's, ich führe sie trotzdem auf. Fehlt eine der essentiellen Aminosäuren, wird die Neukombination von körpereigenem Protein verhindert. Liegt eine dieser Aminosäuren nur mit einem unzureichenden Gehalt vor, schränkt das die Verwertung der anderen Aminosäuren ein. Das heißt also, dass die Vollständigkeit der essentiellen Aminosäuren die biologische Wertigkeit des Gesamtproteins bestimmt. Die fehlende bzw. mit dem niedrigsten, unzureichenden Gehalt vorliegende essentielle Aminosäure begrenzt den Wert des gesamten Proteins in der Futterration, weshalb diese limitierend (begrenzend) genannt wird. Unter diesen limitierenden Aminosäuren gibt es wiederum jene, die besonders wichtig sind und als „erstlimitierend“ bezeichnet werden. Beim Kaninchen sind dies Lysin, Methionin, Cystin, Tryptophan und Threonin.

Das Prinzip der limitierenden Aminosäuren beschreibt das „Minimumgesetz“ von Carl Sprengel, der es 1828 ursprünglich für das Pflanzenwachstum postulierte. Es wurde 1855 von Justus Liebig popularisiert und besagt, dass das Wachstum durch die knappste Ressource (den Minimumfaktor) eingeschränkt wird. Wird ein Nährstoff hinzugegeben, der bereits im Überfluss vorhanden ist, hat das keinen Einfluss auf das Wachstum. Veranschaulicht wird dies durch das „Liebigsche Fass“, welches nur so hoch gefüllt werden kann, wie die niedrigste Daube hoch ist. Dieses Gesetz wurde von G. Liebscher 1895 zum „Optimumgesetz“ ergänzt, welches besagt, dass der Minimumfaktor umso wirksamer für das Wachstum ist, je mehr sich die anderen Faktoren im Optimum befinden.

Am Beispiel des Liebigschen Fasses wird der Einfluss der erstlimitierenden Aminosäure Methionin auf die Qualität des Gesamtproteins dargestellt: die Höhe der Dauben symbolisiert den jeweiligen Gehalt der Aminosäuren im Futter. Das Fass kann in diesem Fall nur so hoch gefüllt werden, wie Methionin im Futter vorhanden ist. Selbst wenn man den Gehalt einer anderen Aminosäure erhöhen würde, wäre das zwecklos, weil das fehlende Methionin die Verwertung aller Aminosäuren verhindert - dass Fass läuft quasi schon vorher aus.

Bei Methionin handelt es sich um eine schwefelhaltige, essentielle Aminosäure, die für den Körper sehr wichtig ist. In kommerziellen Futtermitteln (Pellets) wird sie häufig zugesetzt. Wenn sie in ausreichender Menge vorliegt, können aus ihr die Aminosäuren Cystin und Tyrosin synthetisiert werden. Durch die Übertragung von Methylgruppen trägt es zu Entgiftungsvorgängen in der Leber bei. Da Methionin Wasserstoffionen zur Verfügung stellt, ist es wichtig für die Regulierung des Säure-Basen-Gleichgewichtes. Letztlich wird es für die Aufnahme und den Transport von Selen im Körper benötigt.

Cystin findet sich unter anderem in den Zellen des Immunsystems. Dessen Vorstufe L-Cystein wird aus Methionin synthetisiert. Cystein unterstützt das Reifen von Lymphozyten und aktiviert Zellen, die für die Immunabwehr wichtig sind. Deshalb spielt Methionin nicht nur an sich eine wichtige Rolle, sondern stellt auch einen limitierenden Faktor für die Synthese von Cystein dar.

Ich habe in der Tabelle am Anfang des Beitrags einen Mittelwert des Gehaltes von Methionin und Cystin aus verschiedenen Gemüssorten gebildet. Der Betrag liegt ca. 50% unter dem des empfohlenen. Das heißt, mit einer angenommen Mischung aus diesen "Futtermitteln" wäre das Kaninchen nur zur Hälfte mit den erstlimitierenden Aminosäuren Methionin und Cystin versorgt. Den "Rest" müsste es sich woanders her "besorgen". Der Blinddarmkot liefert eventuell ca. 10%, wären also noch 45% offen. "Woher nehmen, wenn nicht stehlen"?

Laut eimem Artikel in der Rodentia können sich Kaninchen aus einer großen Menge (ad libitum) Gemüse alles herausuchen, was sie tatsächlich benötigen: "Gemüse in großer Menge ermöglicht den Kaninchen, sich herauszusuchen, was sie tatsächlich benötigen, und birgt keinerlei Gefahren." (Schillinger, 2011). Sie können sich aus -27,5% ... -85,2% Methionin+Cystin, also aus einem Defizit, aussuchen, was sie brauchen? Das ist ein Widerspruch in sich ... Zu dem Gemüse kommt noch Heu dazu, im schlimmsten Fall also -9,2% Meth+Cys (Luzerneheu ist wegen dem Calciumgehalt "verboten"). Wie mache ich aus zwei Defiziten, also aus zwei Minus ein Plus? Ja, ok - durch Multiplikation. Aber den Fall haben wir hier nicht, sondern eine Summe. Wenn ich zwei negative Gehalte addiere, ergibt das die negative Summe daraus. Oder ich bilde einen Mittelwert, der auch negativ wäre. Wenn ich z. B. Kohlrabi und Mohrrübe zu gleichen Teilen verfüttern würde, ergäbe sich ein Minus von 58%. Mehr als die Hälfte fehlen also zum empfohlenen Gehalt. Mit der Aussage in der Rodentia wurde in dem Bemühen, über "Mythen" in der Kaninchenernährung aufzuklären, tatsächlich ein weiterer Mythos etabliert. Bei fehlender Auswahlmöglichkeit an arttypischer Nahrung (frischen Wiesenpflanzen) ist Gemüse nämlich durchaus geeignet, Kaninchen zu schaden.

Jetzt werde ich noch richtig fies und nehme Frau Meier auch noch ein Argument für eventuelle Einwände - die Empfehlung für den Methionin/Cystin-Gehalt stammt aus einer aktuellen Quelle, nämlich aus dem Kapitel "Pet Rabbit Feeding and Nutrition" (Heimkaninchenfütterung und Nahrung) von Lowe, 2010 und die Gehalte für Aminosäuren aus der 7. Auflage, 2008 des Tabellenwerkes "Die Zusammensetzung der Lebensmittel" von Souci, Fachmann und Kraut.

Also, liebe Leser - wie erfülle ich den Bedarf meiner Kaninchen an essentiellen Aminosäuren, wenn ich Heu und Gemüse füttere? Wenn Getreide und Trockenfutter "verboten" sind? Wenn ich keine Wiese sammeln darf/kann/will?

Natürlich haben Sie die Lösung in der Tabelle 1 schon erspäht: es ist der Grünkohl. Wenn man bestimmte Gemüsesorten aussuchen und mit Grünkohl ergänzen würde, könnte man vielleicht dem Dilemma entkommen? Am besten benutzt man dafür eine Feinwaage, damit nichts schiefgeht. Und wir müssen Sorge tragen, dass der Grünkohl auch in der Menge gefressen wird, die das Kaninchen braucht, um den Bedarf an Meth+Cys zu decken. Dabei könnte es allerdings zu einem kleinen Problem kommen. Schon wieder. Ich komme immer nur mit Problemen ...

Sie erinnern sich bestimmt, liebe Leser, dass ich schon einmal kurz auf die Kohlenhydrate eingegangen bin (ich werde das aber später noch einmal explizit aufdröseln). Die sieht man in der 150 Jahre alten Weende-Analyse nicht, mit der Frau Meier aber eigentlich ganz zufrieden ist. Dort sind die Kohlenhydrate zum Teil ein Gemisch aus Rohfaser und den NfE.In der erweiterten Futtermittelanlayse /Detergenzienanalyse) nach van Soest sieht man aber zumindest einige, wichtige Gruppen: "Cellulose", "Hemicellulose" und "Non fibre carbohydrats" (Nichtfaser-Kohlenhydrate) NFC. Noch einmal als Erinnerung: NFC sind die Kohlenhydrate, die leicht und komplett verdaulich sind, weil sie durch Enzyme verwertet werden. Es handelt sich damit um solche, die man umgangssprachlich auch als das bezeichnet, was im Überschuss "dick macht".

In dem folgenden Diagramm sind Analysewerte nach van Soest für Wiese und Grünkohl in 120 g Trockenmasse aufgeführt, also das, was ein 2,5kg-Kaninchen an Masse täglich fressen kann. Die Balkenabschnitte sind mit den entsprechenden Nährstoffgruppen beschriftet. Neben dem Balken für Wiese ist links der Anteil der Kohlenhydrate dargestellt und rechts das Prinzip der Verdauung. Für NFC sind das Enzyme und für Hemicellulose sowie Cellulose die Bakterien im Darm. Lignin ist unverdaulich. Die Bezeichnungen gelten natürlich entsprechend für Grünkohl.

Bild 2: van Soest Analysewerte für 120g Wiese und Grünkohl, in g/120g TS; Abgrenzung der Kohlenhydrate; Verdauung der Kohlenhdratgruppen durch Enzyme und Bakterien  


Aus dem Diagramm lassen sich sehr viele Fakten ableiten, aber wir sind ja beim Thema Aminosäuren. Die sieht man in dem Diagramm nicht, weil solche Werte nicht deklariert werden. Wohlgemerkt - es handelt sich bei Aminosäuren um lebenswichtige Inhaltsstoffe, aber sie werden nicht angegeben. Man muss sich diese Werte also aus diversen Quellen besorgen. Diese könnte man dann in entsprechenden Tabellen aufführen. Das hat den Nachteil, dass man schnell den Überblick verliert, vor allem dann, wenn man gleichzeitig noch andere Nährstoffe im Blick behalten möchte. Manchem Leser schwant bestimmt schon etwas, wenn er sich den NFC-, Cellulose-, Hemicellulose- und Ligningehalt in dem Diagramm anschaut. Das sieht nicht gut für den Grünkohl aus und weist auf ein Problem ... Moment bitte, ich höre da gerade jemanden aufgeregt mit den Fingern schnippen ... Ääh, ja bitte, Frau Meier?

Frau Meier: Sie wollen doch jetzt nicht den Grünkohl madig machen, Herr Rühle! Der ist sehr beliebt und auch sehr gesund. Das ist allgemein bekannt.
Ich: Nein Frau Meier, ich will den Grünkohl nicht madig machen, dass besorgt die Natur. Sie beziehen "beliebt" und "gesund" auf die menschliche Ernährung, stimmt's?
Frau Meier: Natürlich nicht nur. Auch für die Kaninchen gilt das. Dafür braucht man nicht einmal Studien, weil das allgemein bekannt ist. Und aus meiner Erfahrung kann ich das nur bestätigen.
Ich: Unsere Kaninchen fressen keinen Grünkohl.
Frau Meier: Dann stimmt etwas nicht mit Ihren Tieren. Vermutlich vom Züchter und der hat Inzucht getrieben.
Ich: Nein, sie  ...
Frau Meier: ... und überhaupt! Niemand füttert doch nur Grünkohl! Es gibt ja auch noch andere, leckere Gemüse- und Kohlsorten! Das Beispiel ist also völlig neben der Praxis!
Ich: Vielen Dank für den Hinweis, Frau Meier. Ich wollte erst einmal grundsätzlich das Prinzip darstellen, wie ich zu meinen Schlussfolgerungen komme. Natürlich gibt es dann noch weitere Beispiele.
Frau Meier: Also ich finde es nicht gut, wie sie hier versuchen, Gemüse schlecht zu machen.
Ich: Das mache ich nicht, sondern die Natur. Ich bin nur der Überbringer von Nachrichten, weil viele nicht wissen, wie man bestimmte Dinge bewerten kann und wo man die Werte herbekommt. Ich nehme ihnen die Arbeit ab.
Frau Meier: Aber sie verunsichern doch die Halter, vor allem Jugendliche. Wir sind ja schon froh, wenn die ihren Tieren nicht nur buntes Trockenfutter geben.
Ich: Aber warum empfehlen sie dann nicht die arttypische Nahrung von Kaninchen wie Wiese?
Frau Meier: Weil viele nicht die Zeit und Lust haben, Grünes zu sammeln.
Ich: Woher wissen Sie das?
Frau Meier: Na, das ist eben so und deshalb müssen wir aufklären und Alternativen anbieten.
Ich: Ich habe andere Erfahrungen gemacht. Wenn man den Haltern erklärt, dass bestimmte Dinge notwendig sind, damit sich ihre Tiere wohl fühlen und gesund bleiben sind viele auch bereit, den Aufwand in Kauf zu nehmen.
Frau Meier: Das kann ja sein, unsere Erfahrungen sind jedenfalls andere und jetzt habe ich sowieso keine Zeit mehr, mit Ihnen zu diskutieren. Meine "Schnuffelnase" hat jetzt einen Termin zum Zähne schleifen und "Kuschelinchen" hat schon wieder so komische Bauchgeräusche und niest dauernd. Und tschüss!
Ich: Äähh ...
Frau Meier: ... (ist dann mal wech)

Nach der kurzen Unterbrechung also weiter im Thema: wie ich bereits angedeutet hatte, kann Grünkohl natürlich nicht die alleinige Nahrung für Heimkaninchen sein - die Regel ist ein Gemisch aus verschiedenen Gemüse-, Salat- und Kohlsorten und dazu Heu. Bevor Sie jetzt also Unmengen an Grünkohl besorgen, warten Sie bitte auf den nächsten Beitrag. Die Aminosäuren sind ja nur ein Aspekt in der Ernährung ...


Quellen:
Drescher, B: Der Unsinn mit den „Snacks“ für Kaninchen und Meerschweinchen. Internetressource. www.birgit-drescher.de - Kleintierklinik, Veterinärmedizin Priv. Doz. Dr. med.vet. Birgit Drescher. URL: http://www.birgit-drescher.de/kaninchen02.html; Abruf am 13.11.2017

Lowe, J. A. 2010. Pet Rabbit Feeding and Nutrition. [Hrsg.] C. de Blas und J. Wiseman. Nutrition of the Rabbit. s.l. : CAB International 

Schillinger, V. (2011): Mythen in der Kaninchenernährung. Teil 2. Die größten Irrtümer über die Fütterung von Kaninchen. Rodentia 61. 35-37

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